Leipziger Buchmesse: blaues Sofa ~ neue Autoren entdecken ~ Lieblingsautoren treffen ~ Lesungen besuchen ~ signierte Bücher in Händen halten ~ Buchgespräche ~ Inspiration ~ Literatur leben

Morgensonne vor der Buchmesse
Um 7 Uhr ging mein Flieger nach Leipzig. Weil alles so schön klappte, war ich bereits um kurz nach halb neun am Messegelände und genoss die Ruhe vor dem Sturm in der Morgensonne. Nach einem Frühstück unweit der Messe machte ich mich auf zu selbiger und lief direkt auf das blaue Sofa zu. Perfekt, so dachte ich mir, denn in meinem Notizbuch standen für 10.30 Uhr und 11 Uhr Olga Grjasnowa und Frido Mann auf dem Programm. Bis dahin schlenderte ich erst einmal durch die Glashalle und lugte in die ersten Hallen hinein. Schön war es hier, ich fühlte mich sofort pudelwohl. Anders als Frankfurt. Schöner als Frankfurt? Egal, fest stand nach einigen Minuten: Leipzig, das ist ab sofort ein regelmäßiger Termin. Denn obwohl ich seit 2000 der Branche angehöre, so hat es mit der Leipziger Buchmesse und mir bisher nie sollen sein.

Olga Grjasnowa auf dem blauen Sofa
Der Messefreitag war ein sonniger Frühlingstag und so genoss ich es morgens durch die Glashalle zu flanieren. Schließlich war ich pünktlich am blauen Sofa, wo es – wie auch schon in Frankfurt immer – sehr voll war und ich nur einen Stehplatz bekam.
Olga Grjasnowa wollte ich im Interview sehen. In diesem Bücherneuerscheinungsfrühling erschien ihr Debütroman bei Hanser und ich war über so eine “Das-könnte-Ihnen-auch-gefallen-Sache” auf Sie aufmerksam geworden. Zudem war die Tatsache, dass ihr Erstlingswerk im Hanser-Verlag erscheint ein Hinweis auf ein gutes Buch. Die Autorin war mir gleich sympathisch. Bescheiden sprach sie über Sprache, über Fremdsein in einer Kultur und das sich-ausprobieren als angehende Schriftstellerin. Sie beantwortete die ihr gestellten Fragen, hörte aber mitunter abrupt auf und ließ die Sätze unvollständig stehen. Eine Angewohnheit, die sie mir noch sympathischer machte, geht es mir selbst doch auch manchmal so. Ihr Buch “Der Russe ist einer, der Birken liebt” ist jedenfalls während des Interviews gleich auf meinem Wunschzettel im Kopf gelandet. Wie bereits erwähnt, nahm nach ihr eine Person auf dem blauen Sofa Platz, die mich auch sehr interessierte:

Frido Mann
Frido Mann, der Enkel Thomas Manns. Sein Buch “Mein Nidden” handelt von dem Sommerhaus, welches sein Großvater Anfang der 30er Jahre baute. Nachdem die Manns jedoch in die USA emigrierten und später in die Schweiz gingen, stand das Sommerhaus lange leer. Erst Intellektuelle aus der Gegend bauten es nach dem Krieg wieder auf, mit solch einer Liebe zum Detail und zur Literatur, dass Frido Mann es ihnen überließ. Bis heute finden seit 1997 in jedem Jahr Kulturfestivals statt. In diesem Jahr wird Frido Mann dort auch aus seinem Buch lesen. Neben der Generation seines Großvaters erzählt Frido Mann auch von der brasilianischen Seite seiner Familie mütterlicherseits. Auch das Haus seiner Urgroßmutter in Paraty ist gut erhalten und dort finden ähnlich wie nun auch in Nidden kulturelle Veranstaltungen statt. In jüngster Zeit hat Frido Mann auch Brücken zwischen den beiden Häusern geschlagen. Zum Schluss erzählt er von dem geplanten Projekt des Mare-Verlags – in dem Mein Nidden erschienen ist, seine Autoren dort eine Schreibstätte zu bieten. – Eine Stunde unter dem Glasdach beim blauen Sofa – so schön es war – nun war eine kleine Kaffeepause angesagt.
Die nächste Stunde flanierte ich durch die Hallen, stöberte hier und da, bis ich mich aufmachte zur Autorenhandlung in Halle 5. Dort signierte die Autorin Holly-Jane Rahlens ihr bei Wunderlich – Imprint des Rowohlt Verlages – erschienenes Buch “Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel”. Davon hatte ich schon gehört und gelesen. In meiner Tasche befand sich jedoch ihr Erstling “Becky Bernstein goes Berlin” (Erstauflage 1996, meine ist von 1998). Becky Bernstein – für mich ein ganz besonderes Buch aus der Zeit meines Erwachsenwerdens. Ganz oft gelesen – und eines der Bücher, dem man dies auch ansieht – und heiß geliebt. Als ich am Vorabend sah, dass Holly-Jane Rahlens an diesem Freitag auf der Buchmesse war, stand fest, ich musste mir mein Exemplar unbedingt signieren lassen. Die Autorin schaute nicht schlecht, als jemand mit ihrem Debütroman vor ihr stand. Begeistert erzählte ich ihr, wie sehr ich dieses Buch liebe und sie fragte mich anschließend, ob ich denn Everlasting schon kenne. Als ich verneinte und sagte, hätte nur schon darüber gelesen, sagte sie: “Wer Becky Bernstein liebt, der liebt auch Everlasting”. Wie konnte ich da anders, als kurzerhand das Buch zu kaufen. Auch dieses signierte sie sehr persönlich. Nach “Becky Bernstein goes Berlin” und ihrem zweiten Teil “Mazel Tov in Las Vegas” schrieb die Autorin Kinder- und Jugendbücher. “Everlasting – Der Mann der aus der Zeit fiel” ist ein All-Age-Buch.

Astrid Rosenfeld liest aus
Adams Erbe
Bis zum Nachmittag ging es weiter durch die Hallen – beim Mare-Verlag war ich zufällig am Stand, als dort auch Frido Mann war und warf einen Blick in “Mein Nidden” – welches schon nach dem blauen Sofa auf meinem Wunschzettel gelandet war. Zwischendurch ein Mittagessen, weiter durch die Hallen bis um 16 Uhr Astrid Rosenfeld aus “Adams Erbe” lesen sollte, welches im vergangenen Jahr zur Leipziger Buchmesse erschienen war. Verschlungen hatte ich das Buch seinerzeit und die Lesung war einfach sehr schön.
Astrid Rosenfeld ist sehr sympathisch “Ich muss mich so nah zum Buch runterbücken, bin nämlich sehr kurzsichtig.” Ein abschließendes Spazieren durch die Hallen und ab zu Holly-Jane Rahlens und ihrer Lesung aus Everlasting.

Holly-Jane Rahlens mit Everlasting
Herrlich! Wörter, Sprache und die Liebe dazu, auch darüber geht es – neben einer Liebesgeschichte – in Everlasting. Sehr lebhaft und lebendig liest die Autorin und erzählt über ihr Buch. Im zweiten Teil stellen ihr Schüler, die ihr Buch vorab lesen durften, Fragen.
Die Zeit ist knapp und da ich noch zu einem Bücherplausch verabredet bin, verlasse ich die Lesung vorzeitig. Dies bildet den Abschluss eines schönen Tages und eh ich mich versehe sitze ich im Flugzeug zurück nach Köln: glücklich, erfüllt und inspiriert.